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Der Nachlass

Den Kernbestand des Thomas-Bernhard-Archivs bildet der gesamte Werknachlass Thomas Bernhards, der im Rahmen eines Forschungsprojekts des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur erschlossen wird. Betreut und aufgearbeitet wird der Nachlass schon seit 1999 von Dr. Martin Huber.


Frost, Detail aus einem Typoskript; Foto: Thomas-Bernhard-Nachlassverwaltung

Das veröffentlichte Werk ist im Nachlass zum Großteil durch die entsprechenden Typoskripte vorhanden, von Text zu Text unterschiedlich sind freilich die Anzahl der jeweils vorhandenen Typoskripte, der Grad ihrer Vollständigkeit, die Korrekturintensität der einzelnen Textstufen, ihre Abweichung vom veröffentlichten Text etc. Unveröffentlichte Texte sind ebenfalls in großer Zahl und in beträchtlichem Umfang erhalten geblieben, wobei der zeitliche Schwerpunkt der Entstehung dieser Arbeiten vor Bernhards literarischem Durchbruch mit dem Roman "Frost" von 1963 liegt.  

Zu erwähnen ist beispielsweise der frühe Roman mit dem Titel "Schwarzach St. Veit", eine Vorarbeit zu "Frost". Auch die 1961 von einem Verlag als zu negativ abgelehnten Frost-Gedichte sind im Nachlass vorhanden. Bernhard nannte diese Lyrik seine "Fleurs du Mal". Aber es gibt auch späte, unvollendete Texte: ein unvollständiges Theaterstück "Die Schwerhörigen" und ein leider nur in Anfang und Ende vorliegendes Prosastück "Neufundland". Ergänzt wird der Archiv-Bestand unter anderem durch die Verlags- und Theaterkorrespondenz, Bernhards Zeitungsausschnittssammlung sowie den Briefnachlass.  


Bernhards Arbeitsweise

Die unerbittliche Arbeitsweise Bernhards zeigt sich an seinen Manuskripten und Typoskripten, die von temperamentvollen Streichungen und Glossen bestimmt sind. Richard Reichensperger vom "Standard" schrieb dazu in der Ausgabe vom 9.2.2001: "Verneinend auch das Schriftbild, die Schrifthiebe dieser ersten Seite des Manuskripts (Frost von 1963): Mit kraftvollen, optisch fast aktionistisch anmutenden Streichungen, mit der Durchstreichung von allem (...): Die großen schwarzen Balken und die zornig wie mit Pianistenpranken hingedonnerten Querlinien rufen allesamt ‚Nein'. Das ist die Durchstreichung jeglicher Heimatliteratur (...) das Anhämmern der Schreibmaschine gegen erste Eindrücke, erste Einfälle".


Werkausgabe

Der Suhrkamp Verlag und die Bernhard-Stiftung geben zur Zeit die Thomas-Bernhard-Werkausgabe heraus. Die Ausgabe wird aus insgesamt 22 Einzelbänden bestehen: Die ersten neun Bände sind den großen Romanen gewidmet, Band 10 fasst die autobiographischen Erzählungen zusammen; die nächsten drei Bände sammeln kleinere Erzählungen, Band 14 beinhaltet die Kurzprosa, die Bände 15 bis 20 umfassen die Dramen, Band 21 enthält die Gedichte und der letzte Band unter dem Arbeitstitel "Der öffentliche Bernhard" besteht aus Reden, Essays und Leserbriefen. Die Werkausgabe enthält auch Texte, die anderweitig momentan nicht zugänglich sind, wie beispielsweise "Der Berg" oder "die rosen der einöde". Herausgeber der kritischen Werkausgabe sind Martin Huber und Wendelin Schmidt-Dengler; einzelne Bände werden von Hans Höller, Bernhard Judex, Renate Langer, Manfred Mittermayer und Jean-Marie Winkler mit herausgegeben. Jeder der Bände dokumentiert die Entstehung der einzelnen Werke und klärt über biographische Hintergründe auf.

Die ersten drei Bände (Band 1 "Frost", Band 2 "Verstörung" und Band 14 "Kurzprosa") sind im Herbst 2003 erschienen, inzwischen liegen außerdem vor Band 3 "Das Kalkwerk", Band 4 "Korrektur", Band 5 "Beton", Band 6 "Der Untergeher", Band 7 "Holzfällen", Band 10 "Die Autobiographie", Band 11 "Erzählungen I", Band 12 "Erzählungen II", Band 15 "Dramen I" und Band 16 "Dramen II".

Weitere Informationen:
www.suhrkamp.de