Bestand Thomas Bernhard

Diese Schreibmaschine erbte Thomas Bernhard von seinem Großvater (© B. Judex)
Textausschnitt eines Typoskripts zu Frost
Handschriftlicher Entwurf zu Die Ursache

Den Kernbestand des Thomas-Bernhard-Archivs bildet der gesamte Werknachlass Thomas Bernhards, der im Rahmen eines Forschungsprojekts des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur von 1999 bis 2012 aufgearbeitet und erschlossen wurde.

In Thomas Bernhards Nachlass befinden sich zu nahezu allen veröffentlichten Werken Entwürfe, Vorstufen, Typoskript-Konvolute und Druckfahnen. Von Text zu Text unterschiedlich ist freilich die Anzahl der jeweils vorhandenen Dokumente, der Grad ihrer Vollständigkeit, die Korrekturintensität der einzelnen Textstufen, ihre Abweichung vom publizierten Text etc. Unveröffentlichte Werke sind ebenfalls in großer Zahl und beträchtlichem Umfang erhalten geblieben, wobei der zeitliche Schwerpunkt der Entstehung dieser Arbeiten noch vor Bernhards literarischem Durchbruch mit der ersten Romanveröffentlichung Frost (1963) liegt.

Zu erwähnen ist beispielsweise das frühe, nahezu 300-seitige Typoskript mit dem Titel Schwarzach St. Veit, eine 1960 erfolglos beim Verlag S. Fischer eingereichte Vorarbeit zu Bernhards Romandebüt. Neben zahlreichen kürzeren unveröffentlichten Prosatexten oder Bühnenarbeiten sind etwa auch die 1961 vom Otto Müller Verlag als zu negativ abgelehnten Frost-Gedichte im Nachlass enthalten.

Bernhard nannte diese Lyrik seine "Fleurs du mal". Daneben gibt es auch späte, unvollendete Texte: ein Fragment gebliebenes Theaterstück Die Schwerhörigen und ein leider nur in Anfang und Ende vorliegendes Prosastück Neufundland.

Ergänzt wird der Nachlass Bernhards durch

- eine umfangreiche, z.T. bereits von Bernhard selbst angelegte Sammlung von Zeitungsausschnitten und Rezensionen (u.a. zu seinen Werken)

- Lebensdokumente und eine von Bernhard selbst angelegte Sammlung von Reisebroschüren, Konzert- und Theaterprogrammen 

- eine umfangreiche Korrespondenz mit über 600 Personen und Briefpartnern u.a. mit Schriftstellerkollegen, Publizisten und Kulturjournalisten, Verlagen und Theaterhäusern 

Bernhards Arbeitsweise

Die unerbittliche Arbeitsweise Bernhards zeigt sich an seinen Manuskripten und Typoskripten, die von temperamentvollen Streichungen und Glossen bestimmt sind. Richard Reichensperger vom "Standard" schrieb dazu in der Ausgabe vom 9.2.2001: "Verneinend auch das Schriftbild, die Schrifthiebe dieser ersten Seite des Manuskripts (Frost von 1963): Mit kraftvollen, optisch fast aktionistisch anmutenden Streichungen, mit der Durchstreichung von allem (...): Die großen schwarzen Balken und die zornig wie mit Pianistenpranken hingedonnerten Querlinien rufen allesamt ‚Nein'. Das ist die Durchstreichung jeglicher Heimatliteratur (...) das Anhämmern der Schreibmaschine gegen erste Eindrücke, erste Einfälle".

Übersicht des Nachlass-Bestandes Thomas Bernhard
Der Bestand ist erschlossen; ein Verzeichnis mit Sichtungs- und Verknüpfungslisten befindet sich im Thomas-Bernhard-Archiv.
Bestand

Werke, Korrespondenzen, Lebensdokumente, Sammlungen.

1.1 Typoskripte, Manuskripte, Fragmente und handschriftliche Entwürfe, Notizen sowie Druckfahnen (mit Korrekturen) zu nahezu allen veröffentlichten Werken (Lyrik, Dramatik, Prosa);

1.2 Typoskripte, Manuskripte, Fragmente und handschriftliche Entwürfe, Notizen zu unveröffentlichten Werken (darunter v.a. viele Texte von 1957-1962, Gedichte, umfangreiche Konvolute zum Romanprojekt Schwarzach St. Veit/ Der Wald auf der Straße teilweise als Vorstufen zum veröffentlichten Roman Frost);

2. umfangreiche Korrespondenzen mit über 600 Personen und Briefpartnern; darunter mit Schriftstellern und Schriftstellerinnen wie Jeannie Ebner, Gerhard Fritsch, Michael Guttenbrunner, Hilde Spiel, Carl Zuckmayer; mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Insel- bzw. Suhrkamp-Verlags (Siegfried Unseld, Anneliese Botond, Elisabeth Borchers u.a.); mit den Verlagen Otto Müller, Piper, Residenz, S. Fischer; mit den Salzburger Festspielen, Claus Peymann, Bernhard Minetti; mit Karl Ignaz Hennetmair, Gerhard Lampersberg, Wieland Schmied, Hedwig Stavianicek (gesperrt) 

3. Lebensdokumente 

4. Sammlungen (vor allem Bibliothek, Zeitungsrezensionen = teilweise angereicherter Nachlass)

5. Kryptonachlass Hedwig Stavianicek

Bestandsgeschichte

Der Nachlass Thomas Bernhards wurde nach dessen Tod am 12.2.1989 vom Erben Dr. Peter Fabjan aus den einzelnen Häusern und Wohnungen Bernhards zusammengetragen und 1990 zunächst in die dafür gegründete Thomas Bernhard Nachlassverwaltung eingebracht. Nach Gründung der Thomas Bernhard Privatstiftung 1998 wurde ein Jahr später mit der Sichtung des Nachlasses zunächst in Bernhards Wohnung in Gmunden (Oberösterreich) begonnen. Seit 2001 wird er wissenschaftlich aufgearbeitet und der Forschung zugänglich gemacht (Förderung bis 2012 durch das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur; 2013 bis Ende Juni 2014 in einem Kooperationsprojekt der Thomas Bernhard Privatstiftung mit dem Literaturarchiv Salzburg und dem Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich).

Bestand Johannes Freumbichler

Der umfangreiche Nachlass von Thomas Bernhards Großvater, dem Schriftsteller Johannes Freumbichler (1881 - 1949), wurde in einem FWF und dem Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank geförderten Forschungsprojekt von 2003 bis 2006 im Thomas-Bernhard-Archiv gesichtet, geordnet und aufgearbeitet. Der Bestand (Werknachlass, umfangreiche Korrespondenz auch innerhalb der Familie und daher aus biografischer Sicht von Interesse, Tage- und Notizbücher, Lebensdokumente, Sammlungen) befand sich vorübergehend (2012-2014) im Literaturarchiv Salzburg. Freumbichlers Schaffen reicht von Lyrik über kleinere Theaterarbeiten bis hin zu Erzählungen und umfassenden Romanwerken. Zu Lebzeiten blieb der Schriftsteller nur wenig erfolgreich und im Literaturbetrieb seiner Zeit nicht etablierter Außenseiter. So steht dem schmalen veröffentlichten Werk (u.a.  Philomena Ellenhub, 1937; Geschichten aus dem Salzburgischen, 1938; Auszug und Heimkehr des Jodok Fink, 1942; Rosmarin und Nelken, 1951) ein riesiges unveröffentlichtes Oeuvre gegenüber.

Übersicht des Nachlass-Bestandes Johannes Freumbichler

Der Bestand ist feinerschlossen; ein genaues Verzeichnis mit Sichtungs- und Verknüpfungslisten befindet sich im Thomas-Bernhard-Archiv.

Bestand

Werke, Korrespondenzen, Lebensdokumente, Sammlungen.

1. Manuskripte, Typoskripte, handschriftliche Entwürfe, Notizen, Zettel insbesondere unveröffentlichter und unvollendeter Werke;

2. umfangreiche Korrespondenzen (u.a. innerhalb der Familie mit Maria Freumbichler, Anna Bernhard, Herta Bernhard, Emil Fabjan; mit dem Paul Zsolnay Verlag, Hermann Leins; mit Rudolf Kasparek: Clarita Thomsen; Carl und Alice Zuckmayer);

3. Lebensdokumente;

4. Sammlungen;

5. Kryptonachlässe (Rudolf Kasparek, Rudolf Freumbichler, Ferdinand Russ, Clarita Thomsen)

Bestandsgeschichte

Den Nachlass Johannes Freumbichlers erbte nach dessen Tod am 11.2.1949 zunächst sein Sohn Rudolf Pichler, der ihn seinem Schwager Emil Fabjan vermachte. Dieser übergab ihn 1981 als Depositum an das Salzburger Literaturarchiv, wo er teilweise vorgeordnet und in Teilen bearbeitet wurde. 1990 wurde er der Thomas Bernhard Nachlassverwaltung übergeben, zwischen 2001 und 2012 befand er sich gemeinsam mit dem Nachlass von Freumbichlers Enkel, Thomas Bernhard, im Thomas-Bernhard-Archiv in Gmunden (Oberösterreich). Er wurde zwischen 2003 und 2006 in zwei Projekten (Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung, Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank) aufgearbeitet und war von 2012-2014 im Literaturarchiv Salzburg für Forschungszwecke untergebracht. 

Bestand Louis Huguet

Ebenfalls im Thomas-Bernhard-Archiv aufgearbeitet wurde der Vorlass des französischen Germanisten Louis Huguet (geb. 1923). Er besteht aus Briefwechseln, Lebensdokumenten und Materialien (meist in Kopie) im Zuge der intensiven Recherchen über die Lebensgeschichte der Familie Bernhard-Freumbichler-Fabjan, die Huguet 1995 als "Chronologie. Thomas Bernhard. Johannes Freumbichler" (Bibliothek der Provinz) veröffentlicht hat.

Übersicht des Vorlass-Bestandes Louis Huguet

Korrespondenzen, Sammlungen. - Der Bestand umfasst umfangreiche Materialien und Korrespondenzen zur biografischen Erforschung Johannes Freumbichlers und Thomas Bernhards sowie der Familie.

Der Bestand ist vorgeordnet und teilweise erschlossen.

Bestandsgeschichte

Louis Huguet schenkte seinen Vorlass 1999 dem Salzburger Literaturarchiv. Dieses übergab ihn 2003 als Schenkung dem Thomas-Bernhard-Archiv, wo er geordnet und erschlossen wurde. Der Vorlass Louis Huguets befand sich vorübergehend (2012-2014) im Literaturarchiv Salzburg.